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Im Rasen lesen wie in einem Buch

Bad Tölz – Selten dürften die Golfclubs am Strasserhof und auf der Flinthöhe von einer ähnlich fachkundigen Delegation unter die Lupe genommen worden sein. Zehn Greenkeeper mit teils jahrzehntelanger Erfahrung aus Deutschland und der Schweiz absolvierten bei den beiden Tölzer Clubs einen Teil der Praxiswoche, die im Rahmen der Ausbildung zum Head-Greenkeeper vorgeschrieben ist.

Wenn jemand eine Ausbildung zum „Head-Greenkeeper“ durchläuft, dürfte eine seiner Schwierigkeiten darin bestehen,  seinen Mitmenschen zu erklären, was das ist. Eine halbwegs präzise deutsche Übersetzung gibt es nämlich nicht. Der Tölzer Manfred Beer, Greenkeeper von Beruf, pflegt stets zu sagen: „Ich bin der Gärtner der Golfanlage.“  Doch seine Tätigkeit geht über das Rasenmähen, das Düngen oder die Saat meilenweit hinaus. Dr. Wolfgang  Prämaßing von der DEULA Rheinland, einem Bildungszentrum für grüne Berufe, präzisiert: „Eine Aufstiegs-Fortbildung mit dem Ziel Fachagrarwirt“. Manfred Beer nennt es „eine Meisterprüfung“. Einschlägige Berufsjahre, teilweise sogar Jahrzehnte, haben alle Kursteilnehmer schon hinter sich. Den Fachsimpeleien um Ballgeschwindigkeitsmessung, Schnittlängen beim Rasen,  um Grassorten und Bodenbeschaffenheit, um Bürosoftware, Personalplanung und Turniervorbereitung vermag der Laie kaum zu folgen. 
Zunächst sind die zehn Kursteilnehmer in Valley gewesen und haben den Platz besichtigt, der sich für das Jahr 2018 um den Ryder-Cup beworben hatte. Dann ging’s nach Salzburg, wo nicht nur die Golfanlage, sondern auch das Red Bull-Stadion inspiziert wurde. Der dortige Platzwart nämlich ist, wie Prämaßing verriet, gelernter Golf-Greenkeeper. Für etliche seiner Berufskollegen in der deutschen Fußball-Bundesliga, etwa in München oder Leverkusen,  gilt dies auch.  Nach einem Abstecher zum Tegernseer Golfclub Bad Wiessee trudelten die Greenkeeper schließlich in Bad Tölz ein, wo sie von Dr. Renate Gloeckle (GC Bad Tölz) und Lieselotte Rossegger (GC Isarwinkel) empfangen wurden.  Den Referaten, etwa von Dr. Gunther Hardt vom Deutschen Golfverband,  folgten ganz praxisnahe Aufgabenstellungen:  Wie kann man die Biotope optimieren? Wie lassen sich die Spielflächen verbessern? Welche Mängel weist der Betriebshof auf? Die Clubs lassen sich solche indiskreten Besichtigungen gerne gefallen, weil sie sich, wie Lieselotte Rossegger freimütig zugab, hiervon wertvolle Anregungen versprechen. Dass die Isarwinkler stets bemüht sind, ihre Anlage zu verbessern, unterstreicht schon die Tatsache, dass der Club beim Programm „Golf und Natur“ heuer mit Silber dekoriert wurde und fürs kommende Jahr eine Goldmedaille anstrebt.  Manfred Beer stand gespannt daneben, als einer seiner Kollegen mit einem Profilspaten mitten ins liebevoll gepflegte Grün stach und eine Bodenprobe hervorholte: „Man kann in dieser Probe lesen, wie in einem Buch“.

Hinter vorgehaltener Hand berichten Greenkeeper schon mal, dass das Hauptproblem beim Golf die Golfspieler sind. Fast jeder kann mit Schilderungen aufwarten,  wie er von einem fliegenden Golfball verletzt wurde oder  zumindest fast getroffen worden wäre. Dabei müssen Greenkeeper sogar selbst Golf spielen. Eine der Voraussetzungen  für die Prüfungszulassung zum „Head“ ist ein Handicap von  36 oder besser. Manfred Beer, der nach eigener Einschätzung „höchstens einmal im Monat“ spielt, liegt bei 15. Einer der anderen Greenkeeper verrät, dass er eher noch seltener selbst zum Schläger greift: „Wenn ich schon beruflich neun Stunden täglich auf dem Golfplatz bin, will ich doch nicht noch meine Freizeit dort verbringen.“ Hans Staar

Bild: Die Greenkeeper Marcel Siegfried (li.) und Manfred Sakowski bei der Begutachtung einer Bodenprobe: "Man kann darin lesen, wie in einem Buch."

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